Rezension von Thomas Barth
Marc-Uwe Kling & Bernd Kissel: Elon & Jeff on Mars, Carlsen Comics, 66 S., 20,00 Euro
Jeff (nicht Bezos, sondern Jezos) kommt etwas sympathischer rüber, wenn auch ziemlich dümmlich. Elon (nicht Musk, sondern Dusk) wirkt dagegen deutlich durchgeknallter und politisch gesagt: faschistoider -man sollte eben nicht mit fanatisch verzerrter Grimasse den Arm zum Hitlergruß hochreißen. Beide werden in einen Wettbewerb um den Mars geschickt, den Elon zunächst gewonnen zu haben scheint…
Elon Musk und sein gigantisches Konzern-Imperium beschäftigen uns bei Netzphilosophie immer wieder, ebenso Jeff Bezos mit Amazon oder Big Tech generell- was meist nicht sehr lustig ist. Da bietet jetzt eine Satire angenehme Abhilfe: Das Comic, das auf recht erheiternde Weise und sogar mit politisch-kritischem Anspruch zwei der umstrittensten Tech-Barons der Internet-Wirtschaft ins Visier nimmt. Und uns dabei ebenso charmant wie subtil ein paar Ideen von G.W.F.Hegel und Karl Marx vermittelt.
„Elon & Jeff on Mars“ kam leider etwas zu früh heraus: Erst vor Kurzem gelang es Elon Musk mit dem Börsengang seiner (krass überbewerteten) Firma SpaceX eine magische Grenze zu überschreiten: Der rechtsextreme Tech-Tycoon wurde zum ersten (offiziellen ) Billionär der Menschheitsgeschichte. Das konnten die Satiriker Marc-Uwe Kling und Bernd Kissel noch nicht wissen. Schade. Da wären noch einige Gags mehr drin gewesen.
Wie sehen die Satiriker die beiden vielleicht reichsten Oligarchen der Welt? Multimilliardär Jeff Jezos hat eine riesige Nase, glänzende Glatze und ein schlichtes Gemüt -er hat als Begleitung seinen Teddybären mitgenommen und will später mit Elon kindisch Kaufladen spielen. Elon Dusk kennzeichnen eine elegante Haartolle, arroganter Gesichtsausdruck und bis zur Debilität ausgereizter Größenwahn. Seine Firma heißt nicht Space- sondern Race-X (dezente Anspielung auf seinen Rassismus?); er spielt lieber mit lebenden Menschen und seine Angestellten müssen Halsbänder tragen, mit denen er ihnen Elektroschocks erteilt -bei mangelnder Unterwürfigkeit oder einfach so zum Spaß.
Die beiden zusammen auf dem Mars? In ihren sich selbst automatisch aufbauenden Raumstationen, die zum Ärger von Elon auch noch direkt nebeneinander liegen, gibt es schnell einen Nachbarschaftsstreit. Elon knallt Jeff die Tür seiner Station vor der Nase zu: „Keine mittellosen Migranten!“ Der versönliche Jeff, der erst als Zweiter landen konnte, will Elons Freund sein, macht aber immer wieder Fehler. Ein wütender Elon: „Du hast deine Raumstation direkt in mein Sonnenaufgangspanorama gesetzt! (Er meint natürlich Jeffs Marsstation.) Kaum sind Menschen hier, ist der Planet ruiniert -du rücksichtsloser Egoist.“
Jeff: Ich denke immer nur an mich. Wofür hältst du mich? Einen Sozialisten?
Elon: Ich halte jedenfalls mich für ein Genie. Jeden Cent, den ich verdient habe, habe ich durch meine übermenschliche Brillanz verdient. Hast du dich schon mal gefragt, warum die Leute keine Milliardäre mögen?
Jeff: Die Leute mögen uns nicht?
Elon: Manche reden davon, dass es uns nicht geben dürfte.
Jeff: Vielleicht finden sie es unsympathisch, dass der reichste Mann der Welt den Armen das Essen und die Medizin gestrichen hat -so wurden unzählige in den Tod geschickt. (Das spielt auf Musk als DOGE-Boss von Trump an, der ein Kettensägen-Massaker am ohnehin mickrigen Sozialstaat der USA anrichtete.)
Elon: Unsinn, da sterben doch bloß Arme und nicht mal Arme mögen Arme, sonst würden sie uns nicht wählen.
Jeff: Du wurdest nicht gewählt.
Elon: Nebensächlich. Ich hatte mich ehrlich an die Macht gekauft.
Jeff: Vielleicht mögen sie nicht, dass die „Philanthropie“ vieler Milliardäre sich darauf beschränkt, libertäre Free-Market Think Tanks zu finanzieren, die eine Politik propagieren, durch Steuergeschenke die Reichen reicher zu machen? Dass die hundert Reichsten mehr haben als die arme Hälfte der Menschheit?
Elon: Falsch. Es ist der pure Neid.
Jeff: Echt schade, dass die uns das nicht gönnen.
Manchem Milliardärs-Spezis gönnen Jeff und Elon aber auch nichts: Dem Facebook-Gründer Marc Zuckerberg. z.B.
Elon: Suckerzwerg? Ich hasse ihn.
Jeff: Stell dir vor, du hättest dein Geld mit einem Tool gemacht, dass so scheiße programmiert ist wie Facebook!
Elon: Peinlich.
Aber ein Problem haben die beiden Milliardäre: Keiner will den Abwasch machen.
Jeff: Warum hast du kein Personal mitgenommen?
Elon: Warum Wohl? Was hier auf dem Mars würde den Knecht davon abhalten, sich zum Herrn zu machen?
So kommt Hegels wohl berühmteste philosophische Metapher von Herr & Knecht über Karl Marx und den Carlsen-Verlag in die Welt der Comics. Auch die Sozialpsychologie der Reichtumsforschung wird nicht vergessen, denn man merkt: Die beiden Tycoone fühlen sich als Ultrareiche in einer unterdrückten und verfolgten Minderheit, trotz der bestochenen Politiker, der manipulierten Öffentlichkeit und der Medienkonzerne „die uns oder unseren Freunden gehören“ und die die öffentliche Agenda bestimmen. Und darum drängte es sie zum Mars. Wo sie keine Neider verfolgen oder bettelnde Horden, etwa vom Finanzamt.
Auch insoweit dürften die Satiriker die Weltanschauung vieler Überreicher treffend beschreiben. Deren Motto lautet oft: Steuern zahlen? Das sollen mal die Armen, denn die brauchen den Sozialstaat -ich werden nicht arbeitslos und wenn ich ein Krankenhaus brauche, kaufe ich mir eins. Sollte ihr Privatjet abstürzen erwarten sie natürlich trotzdem Hilfe von unserem öffentlichen Gesundheitssystem -soviel Humanität darf ein Transhumanist ja wohl verlangen.
So raufen sich Elon und Jeff auf der kargen Marsoberfläche mal herum, mal zusammen. Dabei sind die beiden zunächst nicht allein auf dem Mars: Filmstar Matt Damon soll für Elon Dusk „Der Marsianer“ nachspielen, wenn ihm langweilig wird. Ein ultrareiches Genie braucht keine Filme gucken, er lässt sie sich vorspielen (z.B.“Titanic“ auf seiner Luxusyacht). Die Korrumpierbarkeit von Film, Kunst und Kultur wird nebenbei satirisch aufgespießt.
Auch das Thema (schlecht funktionierender) Roboter, KI und drohende Putsche von Privatsöldnertruppen bei Milliardären werden humoristisch umgesetzt. Einziges Manko: Frauen kommen nicht vor -vielleicht aber eine realistische Spiegelung der Bro-Männerwelt. Das Comic wartet mit einer überraschenden Themenvielfalt und vielen gelungenen Gags auf -selten wurde der absurde Kapitalismus der Netzkonzerne so unterhaltsam dargestellt. Ob es bei Amazon ganz oben in der Empfehlungsliste landen wird, darf jedoch bezweifelt werden.
Marc-Uwe Kling & Bernd Kissel: Elon & Jeff on Mars, Kolorierungsassistenz: Jan Thüring & Ralf Marczinczik, Carlsen Comics, Hamburg 2025, 66 S., hardcover 20,00 Euro
